Diessbach bleibt im Titelrennen

Foto: Bieler Tagblatt
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Von Michael Lehmann, Bieler Tagblatt

 

Im entscheidenden Spiel zieht der RHC Diessbach den Kopf aus der Schlinge und gewinnt gegen Biasca 7:1. Im Halbfinal kommt es zur Wiederholung des letztjährigen Finals.

 

Mit 120 Zuschauern ist die Kapazität der Diessbacher Halle zwar längst nicht ausgelastet, für Playoff-Stimmung wurde am Samstagabend dennoch gesorgt. Dafür zeigten sich nicht zuletzt die Gästefans verantwortlich. Rund 30 Personen waren aus Biasca mitgereist. Eine Seltenheit im Schweizer Rollhockey, obwohl die beiden Mannschaften in der höchsten Liga spielen.

 

Wie es sich für Auswärtsfans gehört, verzichteten die Tessiner auf die Sitzmöglichkeiten in der Halle. Stattdessen sprangen sie mehr oder weniger im Takt zu den verschiedenen Fangesängen, die sie immer wieder anstimmten. Trommel, Megafon und eine übergrosse Fahne in der violetten Klubfarbe durften dabei natürlich nicht fehlen.

 

Die erhoffte Wirkung wurde jedoch verfehlt. Nicht die Tessiner, sondern die Seeländer waren es, die entschlossener in das dritte und somit entscheidende Viertelfinalspiel starteten. Das Heimteam liess den Ball zirkulieren, setzte sich in der gegnerischen Hälfte fest und hatte bald auch etwas Zählbares vorzuweisen. Nach nur zehn Minuten führte der RHC Diessbach bereits 3:0. Doch wie es sich für Auswärtsfans gehört, wurden die Gesänge weder weniger noch leiser.

 

Provozierte Tätlichkeit

 

Auch die Diessbacher zollten den Zuschauern aus dem Tessin nach der Partie Respekt. «Solche Fans sind toll und tun unserem Sport gut», sagte Spielertrainer Pascal Kissling. Dabei musste sich der 32-Jährige zwischenzeitlich auch einige Beleidigungen von den Gästen anhören. Kissling winkt ab. «Das sind halt die Playoffs.»

 

Dass er selbst kein Kind von Traurigkeit ist, bewies er während der Begegnung mehrmals. Der Teamleader wurde mit einer Manndeckung bedacht und entsprechend hart angegangen. Ein böses Wort hier, eine Nicklichkeit da. Die gegenseitigen Provokationen fanden in der 9. Minute den Kulminationspunkt. Kissling stand hinter dem Tor und suchte Anspielmöglichkeiten. Vergebens. Deshalb griff der erfahrene Spieler in die Trickkiste. Er schoss einen gegnerischen Verteidiger an und der Ball prallte tatsächlich von dessen Bein ins eigene Netz. 2:0 für Diessbach. Beim Jubel konnte es Kissling nicht lassen, den Gegner mit einer Portion Häme einzudecken. Zu viel für Biasca-Hüter Adrian Vallina, der sich mit einem Stockschlag auf Kisslings Brust rächte.

 

Zwar reagierte der überraschte Kissling etwas zu spät und etwas zu heftig auf den Schlag, der ihm, wie er später zugeben sollte, nicht wirklich weh tat. Doch auch die übertriebene Reaktion des Gegners macht nicht wett, dass Vallinas Aktion eine klare Tätlichkeit war. Der Torwart wurde mit der roten Karte vom Platz gestellt.

 

Auch sein Ersatz, der ehemalige U20-Hüter Tiziano Tazzi, wurde von Kissling nicht geschont. Nur eine Minute nach seiner Einwechslung musste er bereits ein erstes Mal hinter sich greifen. Kissling verwertete einenNachschuss zum 3:0.

 

«Grosse Anspannung»

 

Die Reaktion der Tessiner blieb aus. Durch schnelle Gegenstösse kamen die Gäste zwar zu einigen Chancen, doch insgesamt hielten die Diessbacher das Spieldiktat fest in ihren Händen. Sie konnten es sich sogar leisten, vier direkte Freistösse in Folge zu verschiessen. Spätestens in der 37. Minute, nach dem zweiten Treffer Albert Galans zum 6:0, konnten sich die Heimfans gemütlich zurücklehnen.

 

Kissling, der in der ersten Halbzeit noch geglänzt hatte, wurde in der zweiten mehrheitlich geschont. Dafür konnten die Junioren Remo Baumann und Björn Schmid etwas Playoff-Erfahrung sammeln. Die Partie endete letztlich 7:1. Damit glückte aus Seeländer Sicht die Revanche für die ärgerliche 3:4-Niederlage in Biasca. Nur deswegen musste der amtierende Meister überhaupt zur «Belle» gegen den Qualifikationsachten antreten. Kissling bestätigte, dass dies nicht spurlos am Team vorbeigegangen ist. «Die Anspannung war schon grösser als sonst. Der Schlüssel zum Erfolg war, dass wir diesmal früh in Führung gegangen sind.»

 

Gegen wiedererstarkte Genfer

 

Im Playoff-Halbfinal kommt es zum Wiedersehen mit dem letztjährigen Finalgegner Genf. Die Westschweizer mussten auf diese Saison einen Umbruch verkraften und kamen lange nicht in die Gänge. Erst gegen Ende der Qualifikation fanden sie zu alter Stärke zurück. Diese bestätigten die Genfer mit dem Viertelfinal-Erfolg über das zweitplatzierte Weil am Rhein. Kissling freut sich: «Sie haben einige sehr starke Einzelspieler. Für uns wird wichtig, dass wir ein weiteres Mal auf unsere Heimstärke setzen können.»

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